Der wohl "älteste bekannte Abentheuerer" ist im wahrsten Sinne des Wortes steinalt. Es handelt sich um ein Fossil aus der Zeit des Perm (in der Geologie die jüngste Periode im Erdaltertum (Paläozoikum), vor 290-250 Millionen Jahren, siehe Perm (Geologie)).. Aufmerksam wurden wir auf das Insekt durch eine diesbezügliche Anfrage von Herrn Rolf Hartenberger aus Oberbrombach im Januar diesen Jahres. Unsere Recherchen förderten folgendes zu Tage:
Um 1860 fanden Arbeiter der Abentheuerer
Hütte in einem zur Verhüttung gespaltenen Stein den Abdruck eines
Insektes. Auf beiden Seiten der Steinhälften war ein großes Insekt zu sehen. Der
damalige Hüttenbesitzer Gustav Adolph Böcking übersandte den Fund an den
Biologen und Paläntologen A.
Dohrn. (siehe
Fotos)
Dieser
untersuchte ihn, und veröffentlichte den Fund unter der Namensgebung EUGEREON
BOECKINGI.
Es
handelt sich um das größte Fluginsekt aus der Permzeit. Dieser Eugereon ist 7.5
cm lang und hat eine Spannweite von 19 cm. Der Fund aus Abentheuer ruht
heute im Museum für Naturkunde in Berlin. Neben der Veröffentlichung von Dohrn
1866 beschrieb Ernst Probst dieses Fossil 1986 und erneut im Oktober 2005 in
seinem Buch REKORDE DER URZEIT.
Herr Dr.W. Schneider übersandte uns zu diesem Thema folgenden Beitrag:
Leseprobe aus
dem Taschenbuch "Rekorde der Urzeit" des Wissenschaftsautors
Ernst Probst:
Als Stammvater der Insekten gelten die im Silur vor etwa 420 Millionen Jahren
lebenden Euthycarcioniden. Sie gehören zu den ersten Tierarten, die vom Wasser
aus das Festland eroberten. Die Euthycarcioniden ähnelten heutigen Kakerlaken,
jagten und fraßen kleinere Tiere und liefen auf elf Paar Beinen. Ein besonders
prächtiger Fund aus Australien ist etwa 13 Zentimeter lang. Geologisch jüngere
Fossilien von Euthycarcioniden kennt man aus Frankreich, dem Nordosten der USA
und dem Osten Australiens.
Als größtes Fluginsekt gilt die libellenähnliche Meganeura monyi, die gegen Ende
der Karbonzeit vor etwa 300 Millionen Jahren lebte. Ein Fund von dieser Art bei
Comentry in Frankreich hat eine Flügelspannweite von etwa 70 Zentimeter, also
mehr als viele heutige Vögel.
Das größte libellenähnliche Insekt in Deutschland wurde 1981 auf der ehemaligen
Halde des Karl-Moritz-Schachtes in Plötz (Sachsen-Anhalt) entdeckt. Dieses
Stephanotypus schneideri genannte Tier aus der Zeit vor etwa 300 Millionen
Jahren hatte eine Flügelspannweite von etwa 40 Zentimeter. Der Gattungsname
Stephanotypus erinnert daran, dass der Insektenrest von Plötz in Schichten des
Stephaniums, der jüngsten Stufe der Karbonzeit, gefunden wurde und der Gattung
Typus aus der Permzeit in Nordamerika ähnelt. Mit dem Artnamen schneideri wird
der Insektenspezialist Jörg Schneider von der Bergakademie Freiberg in Sachsen
geehrt.
Die ältesten direkten Vorfahren von Fliegen und Mücken kennt man aus der
Permzeit, die vor etwa 290 Millionen Jahren begann und vor etwa 250 Millionen
Jahren endete.
Der älteste Käfer wurde 1944 bei Tshekarda im Ural (Russland) in Schichten aus
der Permzeit entdeckt. Diese erdgeschichtliche Periode währte von etwa 290 bis
250 Millionen Jahren. Der Fund aus Tshekarda erhielt den Gattungsnamen
Tshekardocoleus.
Die ältesten Eintagsfliegen aus Mitteleuropa wurden in Jeckenbach bei Meisenheim
(Rheinland-Pfalz) entdeckt. Sie haben in der Permzeit vor etwa 280 Millionen
Jahren gelebt und werden zu Ehren ihres Entdeckers, des Amateurpaläontologen
Arnulf Stapf aus Nierstein, als Misthodotes stapfi bezeichnet.
Das größte Fluginsekt aus der Permzeit in Deutschland ist Eugereon boeckingi. Es
wurde 1866 bei der Abenteuerhütte von Abentheuer unweit von Birkenfeld in
Rheinland-Pfalz gefunden. Dieses Insekt hatte eine Flügelspannweite von 19
Zentimeter und eine Körperlänge von 7,5 Zentimeter. Es besaß lange, rüsselartige
Mundteile, die wohl zum Stechen und Saugen dienten. Eugereon ernährte sich
vermutlich von Pflanzensäften.

Die ältesten Insektenspuren Europas sind auf den so genannten Fährtenplatten von
Nierstein am Rhein unweit von Mainz (Rheinland-Pfalz) enthalten. Sie stammen aus
der Permzeit vor etwa 280 Millionen Jahren. Die Niersteiner Gegend hatte zur
Entstehungszeit dieser Spuren fast den Charakter einer Halbwüste, in der sich
das Leben in der Umgebung von Gewässern konzentrierte. Die Fußabdrücke von
Libellenlarven, Wasserkäfern und anderen Insekten sind im weichen Schlamm am
Rande eines kleinen flachen Sees entstanden. Niersteiner Fährtenplatten werden
vor allem im Naturhistorischen Museum Mainz und im Paläontologischen Museum
Nierstein aufbewahrt.
Die ältesten Ahnen der Schmetterlinge gab es in der Triaszeit von etwa 250 bis
205 Millionen Jahren. Sie hatten die Gestalt mottenähnlicher Insekten. Ihre
Flügel besaßen mehr lanzettliche Gestalt als die der heutigen Schmetterlinge.
Besonders viele Fossilfunde von Fliegen, Mücken und Wespen liegen aus der frühen
Jurazeit vor etwa 200 Millionen Jahren vor. Aussagekräftige Insektenfunde aus
diesem Abschnitt kennt man aus Deutschland (Dobbertin), der Schweiz (Schambelen)
und vor allem aus Russland.
Die größte Libelle der Jurazeit schwirrte vor etwa 150 Millionen Jahren in der
Gegend von Solnhofen in Bayern durch die Gegend. Diese Libellenart namens
Aeschnogomphus intermedius erreichte eine Flügelspannweite von 21 Zentimeter und
eine Körperlänge von 15 Zentimeter. Die größten heutigen Libellen haben eine
Flügelspannweite von 14 Zentimeter.
Als größtes und schönstes Insekt Süddeutschlands in der Jurazeit vor etwa 150
Millionen Jahren gilt die 1903 in der Solnhofener Gegend entdeckte Florfliege
Kalligramma haeckeli. Sie hatte eine Flügelspannweite von etwa 25 Zentimeter und
ähnelt den heutigen Schmetterlingen.
Die größten Heuschrecken Süddeutschlands hüpften in der Jurazeit vor etwa 150
Millionen Jahren im Raum von Eichstätt in Bayern. Dabei handelt es sich um die
Gattung Pycnophlebia mit bis zu 15 Zentimeter langen Flügeln.
Die älteste Ameise wurde in einem Bernsteinstück aus der Kreidezeit von
Nordamerika entdeckt. Die Kreidezeit dauerte von etwa 135 bis 65 Millionen
Jahren.
Die ältesten Ahnen der heutigen Bienen sind ab der Kreidezeit (vor etwa 135 bis
65 Millionen Jahren) nachweisbar. Sie verfügten allerdings noch nicht über zum
Sammeln von Blütenstaub geeignete „Körbchen“ an den Hinterbeinen.
Die meisten Insektenreste aus dem Eozän vor etwa 45 Millionen Jahren kamen in
der Grube Messel bei Darmstadt (Hessen) und im Geiseltal bei HalIe/Saale
(Sachsen-Anhalt) zum Vorschein. Von beiden Fundstellen sind Abertausende von
Insekten nachgewiesen worden, darunter allein weit mehr als 100 Käferarten. Seit
1987 findet man in ebenso alten Ablagerungen eines Sees bei Eckfeld in der Eifel
(so genanntes Eckfelder Maar) zahlreiche und außergewöhnlich gut erhaltene
Insekten.
Die größten geflügelten Riesenameisen Deutschlands wurden in der Grube Messel
bei Darmstadt entdeckt. Diese im Eozän vor etwa 45 Millionen Jahren lebenden
Insekten der Art Formicium giganteum hatten eine Flügelspannweite bis zu 16
Zentimeter und einen 7 Zentimeter langen Körper. Sie wogen etwa 10 Gramm und
waren damit so schwer wie ein heutiger Zaunkönig. Die Riesenameisen von Messel
haben vermutlich am Ufer eines ehemaligen Urwaldsees gelebt und sind vielleicht
beim Paarungsflug in das Gewässer gestürzt, in dessen Ablagerungen sie gefunden
wurden. Ähnliche Arten kennt man noch aus England und Nordamerika und neuerdings
auch aus Eckfeld in der Eifel (Rheinland-Pfalz).
Die meisten Termiten in Europa hat man in etwa 25 Millionen Jahren alten
Seeablagerungen von Rott im Siebengebirge (Nordrhein-Westfalen) gefunden. Dort
wurden bereits zehn Termitenarten nachgewiesen. Die Tierwelt von Rott wird in
das Ende des Oligozäns datiert.
Die meisten und schönsten Insekten aus dem Pliozän vor etwa 5,3 bis 2,3
Millionen Jahren wurden in einer stillgelegten Tongrube bei Willershausen unweit
von Göttingen (Niedersachsen) geborgen. Von dort kennt man prächtig erhaltene
Reste von Libellen, Uferfliegen, Heuschrecken, Gottesanbeterinnen, Blattwanzen,
Tannenblattläusen, Weinstockzikaden, Ameisen, Termiten, Blatt-, Gall- und
Schlupfwespen, Trauermücken, Groß- und Kleinschmetterlingen, Bock-, Nashorn-,
Rüssel-, Marien- und Gelbrandkäfern sowie Schlammfliegenlarven.
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