| Quelle:
"ABENTHEUER" (erschienen 1961 als Sonderheft 6 vom Verein für Heimatkunde
im Landkreis Birkenfeld) von Herbert Böcking
Zur Geschichte
des Ortsnamens:
Ursprünglich
(1367) wird der Ort Leygen, 1438 Leyen genannt. Auf Landkarten heißt
der Ort um 1580 "zur abenturen; um 1700 "zur aventiure" und "Abenthayer"
Erklärungsversuche
wie sie bei Böcking dokumentiert sind:
| 1. Am Abend
habe man zu Zeiten der Eisenhütte die Heuer
ausgezahlt. Aber in Anbetracht der Tatsache, daß wir reichlich weit
weg vom Meer wohnen, ist diese seemännische Ableitung unseres
Ortsnamens wohl eher ungeeignet. |
| 2. Das Abendtor
welches sich schließt, wäre auch eine Möglichkeit der Herleitung.
Das Abendthor, die Abendthür, Abentheuer |
| 3. Desweiteren wird der Ortsname von
einem Autor mit dem Dorf Abbentheren im hannoverschen
Kreis Hoya in Verbindung gebracht. Im keltischen sei Abe, Abbe, Aber -
die Bezeichnung für einen Wasserlauf, Theuer die Bezeichnung für
etwas wertvolles. ...."Es ist aber unmöglich, Worte aus dem niedersächsischen
Raum in den unsrigen herüber zunehmen, es sei denn, heimatliche Ausdrücke
aus jener Gegend wären durch Flüchtlinge, Umsiedler mitgewandert.
...Im hiesigen Raum sagt man von alters her "Owemnd" oder Omend".
Mir (Böcking) scheint es notwendig, jede Kombination mit dem Wort
Abend abzulehnen." |
| 4. " In seinenAusführungen
über die Achstschleifen in unserer Gegend berichtet Claus Eberhard
Wild, daß laut Freiburger Zunftordnung von 1451, die Schleifer ihre
"Kunst und Abentüre" schon gute Zeit getrieben hätten. In der
Saarbrücker Ordnung von 1478 wird ein "Meister und Obentuer Polirer
zu Mettnich" erwähnt. In letzterem Aktenstück wechselt die Schreibweise
in den einzelnen Paragraphen : Abentürer, Obentürer, Ofentürer,
Obentuer. ............Dagegen findet man den Ortsnamen Abentheuer .....
nirgends als Obentheuer geschrieben. |
| 5. ..."Man hat die Vermutung geäußert
, spanische Soldaten hätten Pate gestanden : im spanischen hieße
es "á la buena ventura". Nun spanische Truppen sind erst .....nach
1500 in unsere Gegend gekommen. Französische Truppen sind bestimmt
vorher hier durchgezogen und diese werden wohl "adventures"gesagt oder
gehabt haben. Der Umweg über eine romanische Sprache scheint abwegig;
schon im Mittelhochdeutschen hört man im Niebelungenlied von "aventiure" |
| 6. Nach Abschluß meiner Arbeit
finde ich in Grimms Wörterbuch: Obenteuern.Der Goldschmied kann zwei
Metalle abenteuern (riskieren)..... |
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Soweit zu den,
von Fachleuten und Wissenschaftlern vielfältig dikutierten und belegten
Deutungsvesuchen.
NEU
ist eine Variante, die im Jahre 2001 vom Schriftführer
des Heimatvereins Abentheuer vorgetragen wurde. Anlässlich der Jahreshauptversammlung
des Vereins der Heimatfreunde im Landkeis Birkenfeld warf er die Frage
auf, ob eine Ableitung von einem Familienname denkbar wäre.
Eine uns bekannte
Nennung den Familiennamens stammt aus dem Jahre 1609, hier jemand
namens Abentheuer in Tepl (Böhmen) erwähnt.
Dank
Herrn
R.Dörsam aus Berlin kommen wir einer sicherlich schlüssigeren
Ableitung unseres Ortsnamens näher:
Er sandte uns
eine Kopie eines Taufeintrages der Ev. Kirchengemeinde Eich vor,
in dem es heißt:
"Catharina,
eine Tochter Hanß Abentheürs, Gemeindmann allhier ist geboren
den 30. 7bris Ao 1652 u. getaufft den 3. 8bris. Seine Tauffgotten
waren Catharina, Anthonij Knißes, geweßenen Gemeindsmann allhier
hinterlaßene Ehliche Tochter, noch ledigen Standes."
Interessant erscheint
mir dabei die Schreibweise des Nachnamens mit theür. Schreibt
man dies nun in der Form ue statt ü, dann haben wir genau die
Endung unseres Ortsnamens.
Ferner ließ er uns zur Herkunft
des Familiennamens Abentheuer wissen:
"Fündig
wird man immerhin im Deutschen Namenlexion von Hans Bahlow, (Suhrkamp Taschenbuch
65): "Abenteuer, mit Umlaut Ebentheuer: mhd. aventürer meint den umherziehenden
Kaufmann (ursprünglich den abenteuernden Ritter). So ist z.B.
Jakob mit der Aben-Ebenteuer 1394 in Iglau, um dieselbe Zeit aber auch
in Liegnitz nachweisbar. Ein Jessen de Aventure 1399 in Greifswald."
| 10. Zeitlich
passen diese Erwähnungen durchaus in die Zeit der ersten urkundlichen
Nennung des Dorfes, wobei man aber festhalten muß, daß es sich
dabei noch um Leyen handelte. Sicher ist zweifellos, daß
der Familienname Abentheuer // Abentheür//Abendtheür sehr
viel älter ist, als unser Ortsname. Ob Helleisen, Eisenschmidt
sowie alle späteren Betreiber der Eisenhütte kamen von ausserhalb
- waren also umherziehend(-e Kaufmänner). Dies entspräche auch
der Erklärung von Herrn Pettos (9), wenn er dies
auch anders begründet.
Ich erachte also Möglichkeit
den Ursprung des Ortsnamens Abentheuer in Ebentheuer (im o.g. Sinne) als
historisch am naheliegensten. Dazu die Expertenmeinung von Walter Petto:
Die
Überlegungen zum neuen Anlauf, den Ortsnamen Abentheuer zu deuten,
habe ich gelesen. Bei meinen seinerzeitigen Forschungen fand ich in mehreren
Familiennamen-Büchern etliche Belege für die Existenz des Zunamens
Abentheuer und ähnlich. Die Ableitung des Ortsnamens vom entsprechenden
Familiennamen habe ich zu keiner Zeit ernstlich erwogen. Zwar werden
viele Toponyme von Personennamen abgeleitet, angefangen in der Antike mit
z.B. Alexandria, über die vielen Ortsanmen vom Typ germanischer Rufname
+ Endung --ingen, hin zu den nach Herrschern benannten Ortsgründungen
der Fürstenzeit wie Karlsruhe, Gustavsburg, Franzensfeste, Wilhelmshöhe
usw. Es sind dies aber Vornamen, die einen Zusatz erhalten. Für das
vergangene Jahrhundert finden sich vor allem in den ehemals kommunistischen
Staaten Bildungen wie Stalingrad, Leningrad, Uljanowsk, Karl-Marx-Stadt
usw. Auch hier bekommen die Familiennamen einen Suffix oder eine Erweiterung
um ein verdeutlichendes Wort. In den USA finden sich allerdings Städtenamen,
übertragen nach einem Familiennamen pur: Washington, Lafayette (Lousiana,
Indiana), Bally (in Pennsylvania, nach einem Priester bennant, vorher Goshenhoppen).
Bei Lincoln ist nicht klar: Heißt sie nach dem Politiker
oder der englischen Stadt, von welcher der Familienname herrührt.
Daneben stehen Bildungen wie Steubenville, Pittsburgh usw. Für das
16. Jahrhundert kenne ich kein Beispiel dafür, daß ein Ort den
bloßen Zunamen einer Person erhielt. Umgekehrt ist es häufig:
Echternach, Offenburg, Nonnweiler, Diedenhofen, Manderscheid usw.
Ich bleibe dabei, daß
fast nichts für die Zurückführung des Ortsnamens Abentheuer
auf einen Zunamen spricht, sehr viel aber für die Ableitung von dem
Substantiv in der Bedeutung "wagemutiges kaufmännisches Unternehmen".
Ich habe ja auch zwei Parallelen für den Montanbereich gefunden.
Zu dem Begriff "Abentheuer"
im Mittelalter vgl. Stephan Füssel, Johannes Gutenberg, rowohlts biographien,
2000, S. 25ff.
In "Trübners Deutsches
Wörterbuch", Berlin 1939, S. 9f. findet sich folgender Passus
zum Begriff "Abenteuer": "Infolge des Heraufkommens des reichen Kaufmannes
neben dem Ritter hatte sich seit
dem 14. Jh. die engere
Bedeutung "Juwelier" herausgebildet; es ist, wie einst der wagemutige Ritter,
der im Land herumziehende und seine Kostbarkeiten feilbietende Großhändler."
Das paßt nun gar
nicht zu den Berg- und Hüttenunternehmern.
Mit freundlichen Grüßen
W. Petto |
Schade
eigentlich - aber den Ausführungen von Herrn Petto schließe
ich mich überzeugt an. Naja wenigstens haben wir der Geschichte zur
Deutung unseres Ortsnamens ein weiteres Kapitel hinzugefügt.
Liegt der Schlüssel zum Ursprung
unseres Ortsnamens also in einem Familiennamen?
Oder leitet er sich von dem "Beinamen"
aventürer ab?
Welche Gründe
sprechen dagegen?
Welche Gründe
sprechen dafür?
Kennt jemand
weitere Hinweise über die Herkunft des Familiennamens?
Ich stelle diese
Möglichkeit der Herkunft unseres Dorfnamens zur Diskussion und würde
mich über eine entsprechende Rückmeldung per
Email freuen. |
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Wir danken Frau C.Eckenberg für Ihre
Anfrage bei der Arbeitsstelle Ortsname.
............eine Entwicklung eines
Ortsnamens von Leyen > Abentheuer ist sprachlich nicht möglich. Es liegt also
ein Ortsnamenwechsel vor, zu dem ich Ihnen nur allgemeine Hinweise geben kann.
Ortsnamen dieses Typs (sogenannte abstrakte Substantive) kommen erst seit dem
17./18. Jahrhundert vermehrt auf. An wenigen Fällen, etwa bei Gründungen durch
Fürsten oder Adlige, lässt sich die Motivation für die Namengebung
erkennen (etwa Karlsruhe oder Ludwigslust).
Jüngere Namen wie Freudenberg oder
Freudental können werbende Funktion haben. In der Mehrzahl ist die
Motivation ohne eine genauere Kenntnis der Situation zur Zeit der Namengebung
nicht möglich. So ist es auch bei Abentheuer, dem Fälle wie Ärgernis, Unruhe
oder Vorsicht zur Seite zu stellen wären.
Möglicherweise hat eine ganz bestimmte Begebenheit die Namenprägung veranlasst.
Sofern sie nicht schriftlich dokumentiert wurde, kann man darüber nur
spekulieren. Auch ist zu bedenken, dass die tatsächlichen Umstände bald in
Vergessenheit geraten und Legendenbildungen veranlassen können.
Erforderlich wären also Archivrecherchen, um hier - wenn das überhaupt möglich
ist - weiteren Aufschluß zu erhalten.
Ein Literaturhinweis: Adolf Bach, Deutsche Namenkunde Band II, 1,
Heidelberg 1953, § 285, S. 253;
Band II, 2, Heidelberg
1954 § 535-542, S. 251-257.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Michael Flöer
Arbeitsstelle Ortsnamen Münster
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